Erstellt von Marcus | 23.08.2019
Springe zum gewünschten Bereich innerhalb dieser Seite: StartInhaltsverzeichnisähnliche ThemenKommentare
Der Strompreis wird immer teurer und die Technik der Solaranlage günstiger und besser. Wir berechnen, wann die Solaranlage sich gegenüber dem Stromeinkauf rechnet.

Inhaltsverzeichnis:

Den eigenen Strombedarf ermitteln

Irgendwo müssen wir mit dem Rechnen beginnen und dazu benötigt es Zahlen. Als Erstes muss der jährliche Strombedarf ermittelt werden. Dies finden wir in der Rechnung, die wir von unserem Stromanbieter jährlich zugeschickt bekommen.

Damit wir möglichst genaue Daten darüber erhalten, was wir wirklich an Strom benötigen, sollten wir die Rechnungen der Vorjahre heranziehen. Auch neue Lebensereignisse sollten mit einkalkuliert werden. Ein Kind, ein neuer Lebenspartner oder vielleicht sogar ein Elektroauto.

Fakt ist, dass wir zwar im etwa unseren jährlichen Strombedarf ermitteln können, diesen aber wohl nie komplett über eine Photovoltaikanlage selbst produzieren können. Ein Hinweis auf das Tal der Tränen der Solaranlage im November, Dezember und Januar.
Das hatte ich bereits in einem Beitrag diskutiert: Wind gegen Sonne - perfekt ergänzend.

Für die nachfolgende Rechnung nutze ich einfach meine persönlichen Daten. Ich lebe allein ohne Partner und Kind. Trotz des Hauses, nehme ich nur den Strombedarf der Wohnung, die ich mit einem Zwischenzähler erfasse.

Mein Strombedarf liegt bei ca. 1280kWh pro Jahr. Das entspricht etwa 3,5kWh pro Tag. Diese Zahlen benötigen wir weiter unten in der Rechnung. Du kannst hier natürlich deine Daten einsetzen.

Entwicklung des Strompreises

Der Strom wird immer teurer. Aktuell liegen wir im Schnitt bei 30ct/kWh. Möchte man Ökostrom vom Stromanbieter, ist der Preis teilweise sogar höher. Mehr Kohle- und Atomstrom sind hier ein Stück günstiger. Bei mir sind es 28ct/kWh.
Die Grundgebühr sollten wir nicht mit einrechnen, da wir den Stromanschluss trotzdem benötigen.

Viele Haushaltsgeräte arbeiten sehr energieeffizient und verbrauchen immer weniger Strom. Trotzdem benötigen wir mehr Strom als noch vor 10 Jahren. Das liegt u.a. daran, dass die Geräte günstiger werden und wir immer mehr elektronische Geräte in den Haushalt einschleppen.

Die Teuerung pro kWh liegt bei ca. 6% im Jahr. Im Jahre 2000 lag der Preis bei 13,94ct/kWh und 2019 liegt dieser bei nun 29,42ct/kWh. (Quelle: 1-Stromvergleich)

Kommentar von mir bezüglich der Teuerung:
Meiner Einschätzung nach erreichen wir gerade ein Limit. Auch wenn der Preis pro Kilowattstunde sich jährlich erhöht, wird er dies vermutlich in den nächsten Jahren nicht mehr so stark tun. Empfehlen kann ich dir die Daten von Statista bzgl. des Strompreises in Deutschland. Ende des Kommentars.

Um den Strompreis für die eigene Solaranlage gegenrechnen zu können, benötigen wir ein Ablaufdatum. Also ein Verfallsdatum der Solaranlage.
Das ist gar nicht so einfach, denn Solarmodule halten 25 Jahre und länger. Ein Stromspeicher und auch der Wechselrichter hingegen nur ca. 10 Jahre. Und auch bei defekt eines Gerätes muss nicht immer ein neues her. Innerhalb der Garantie kann der Hersteller die defekten Geräte auch reparieren - oder man lässt diese reparieren. In 10 Jahren könnte ein neues Gerät jedoch auch viel günstiger sein und noch besser als das alte. Das sieht man an der schnellen technischen Entwicklung. Früher ein kleines Vermögen, heute sehr günstig.

Die Kosten der eigenen Solaranlage zur Bedarfsdeckung

Die Solaranlage muss so dimensioniert werden, dass wir möglichst viel benötigten Strom selbst produzieren und verbrauchen. Der Verkauf an den Energieanbieter (Gewerbeschein und Steuerabrechnung erforderlich), lohnt in meinen Augen nicht mehr. Wir sollten also möglichst alles verbrauchen. Im Winter sicher kein Problem, jedoch werden wir auch zukaufen müssen. Dazu weiter unten unter Amortisationszeit mehr.

 Teilverschattete Solarmodule  Mein Gartenhaus mit zwei Solarmodulen. Diese sind Parallel geschaltet und exakt senkrecht angebracht. Im Sommer gibt es fast permanente Teilverschattung, im Winter, wenn die Sonne nicht im Zenit steht, dafür rund 30% mehr Strom. © Wohnen-Heimwerken.de

Teilverschattete Solarmodule
Mein Gartenhaus mit zwei Solarmodulen. Diese sind Parallel geschaltet und exakt senkrecht angebracht. Im Sommer gibt es fast permanente Teilverschattung, im Winter, wenn die Sonne nicht im Zenit steht, dafür rund 30% mehr Strom.

Solaranlage - aber wie groß?

Eine Faustregel besagt, dass man pro 1 kWp (1000W Peak) pro Jahr etwa 1000 kWh erhält.

Die Rechnung ist hier eher eine gemittelte Statistik. Denn in Wirklichkeit ist der Wert abhängig vom Breitengrad, der Umgebung, Dach Modulneigung, Verschattungen (auch über die Jahreszeiten), Hinterlüftung und auch Jahr. Auch gibt es Unterschiede zwischen kalten und heißen Solarmodulen, sowie die Diffusionsstrahlung der Sonne (, Sonnenwinkel, etc.).

Meine eigene Rechnung ist etwas anders, jedoch auch nicht individuell genug. In meiner Rechnung berechne ich 4,5h Sonne pro Tag. Ein 300Wp Modul leistet so pro Tag durchschnittlich 1,350 kWh. Über einen Akkuspeicher und durch den Wechselrichter gibt es jedoch Verluste, wo wir wieder nahe an die obige Faustformel kommen. Hier kannst du meine Rechnung nachlesen: Amortisationszeit - jetzt wird gerechnet.

Im Frühling und Anfang Herbst habe ich die besten Erträge. Zwar ist die Sonne nicht ganz so lang da, jedoch sind die Module kühler und leisten bis zu 20% mehr als im Hochsommer. Vertikal aufgehängte Module sorgen für mehr Leistung im Winter - im Tal der Tränen.

Die eigene Solaranlage zu planen setzt also etwas Grundwissen voraus. Das meiste davon kannst du auf meiner Webseite lesen.

Doch wie groß muss die Anlage nun sein?

Mit der obigen Faustformel und dem Jahresverbrauch kann die Anlagengröße zumindest grob abgeschätzt werden.

Für meine 1280 kWh pro Jahr benötige ich also eine Anlagengröße von 1280 Watt. Da wir im Winter deutlich niedrigere und vor allem weniger Sonne haben, fällt die Tageseinnahme Strom (bei mir waren das 3,5kWh/Tag). Möchten wir nicht teuer zukaufen, muss die Anlage also großer sein und auch etwas mehr Speicher haben. Wir bleiben jedoch nun bei den 1280 Watt.

Als Speichergröße nehmen wir die nächste Faustformel. Für den Tagesbedarf von 3,5kWh wird ein Speicher von 3,5kWh empfohlen.
Hier können wir aus verschiedenen Akkutechnologien wählen. Lithium-Ionen / LiFePo4 Akkus sind der Stand der Technik, wobei auch OPzV und andere Bleiakkus noch häufig stationär benutzt werden.

Und was kostet das alles?

Je nachdem, wie viel Eigenleistung du beim Bau der Solaranlage einbringst, variieren die Kosten. Bei einer kleinen Anlage benötigt man nicht immer einen Fachbetrieb. Geht es um Einspeisung ins Hausnetz oder eine Serienschaltung von Solarmodulen (über Kleinspannung), benötigen wir Hilfe vom Fach. Beispielsweise wird ein Elektriker benötigt.

Die Bauteile der Anlage sind also nicht immer der höchste Kostenpunkt, sondern die Arbeitsleistung des Fachpersonals.

Kosten der Solarmodule:

Ein aktueller Richtwert liegt bei ca. 1 Euro pro Watt. Für meine 1280 Watt Anlage wären etwa 1280 Euro fällig.

Hinzu kommen alle Verbindungskabel und Halterungen. Das habe ich mir mithilfe eines Solarshops ausgerechnet. Es kommen bei meinen 4 Solarmodulen (je 300W) für Modulhalterung/Kurzschienensystem und Kabel ca. 350 Euro hinzu.

Kosten des Speichers und Wechselrichters:

Entscheiden wir uns für einen modernen LiFePo4 Akkuspeicher, so werden für 3,5kWh ca. 1800 Euro fällig.

Dieser Speicher arbeiten mit einem Hybridwechselrichter zusammen, welcher uns 230V Wechselstrom ausgibt. Dieser lädt außerdem die Akkus. Ist keine Sonne da oder benötigen wir mehr Strom als die Module uns liefern, nutzt der Wechselrichter die Akkus.
Für solch einen Wechselrichter sollte man ca. 1000 Euro einrechnen.

Rechnen wir zusammen:

Solarmodule: 1280 Euro
Montagematerial: 350 Euro
Speicher: 1800 Euro
Wechselrichter: 1000 Euro
= 4430 Euro

Auf diese Rechnung kommen noch mögliche Kosten für Helfer / Dachdecker / Elektriker.
Pro Handwerker und der Handwerkerstunden von 50 bis 100 Euro können, je nach Anlagengröße und Bebauung, locker 1500 Euro hinzukommen.
Ein Team von 4 Personen benötigen mindestens einen Arbeitstag für eine kleine Dachanlage.

Solaranlage: 4430 Euro
Handwerker: 2000 Euro
= 5930 Euro

Da wir nun die Kosten im etwa ermittelt haben, schauen wir uns nochmal den Strompreis und die Amortisationszeit an.

Amortisationszeit - ab wann sparen wir viel Geld?

a) Rechnen wir ohne die ca. 6% Preiserhöhung jährlich vom Stromanbieter:

Stromkosten pro Jahr:
1280 kWh x 0,28 Euro = 358,40 Euro

Rechnerische Amortisationszeit der Anlage:
Mit Montage: 5930 Euro : 358,40 Euro = ca. 16,5 Jahre
Ohne Montage: 4430 Euro : 358,40 Euro = ca. 12,4 Jahre

b) Strompreis in 10 Jahren

Wir haben ca. 6% Preiserhöhung des Strompreises pro Jahr. Möchten wir wissen, was der Strom in 10 Jahren kostet, benötigen wir die Zinseszins-Formel.

0,28 Euro x (1,06)^10 = 0,50 Euro pro kWh

Einen Zinseszins Rechner habe ich dir erstellt, um eigene Werte eintragen zu können.

Hätten wir keine Solaranlage, würde für 1280 kWh statt der heutigen 358,40 Euro ganze 642 Euro pro Jahr fällig werden.
Rechnen wir mit einer Preissteigerung, ist die Solaranlage deutlich schneller amortisiert und verschafft uns jedes Jahr einiges Geld für z.b. die Urlaubskasse.

Beachte, dass der Speicher und auch der Wechselrichter womöglich nach 10 Jahren gewartet werden muss. Die Solarmodule halten meist 25 Jahre und länger.

Schlussfolgerung: Je höher der Strompreis wird, desto interessanter ist der Bau einer eigenen Photovoltaikanlage. Da die Kosten der Technik genau in die Gegenrichtung des Strompreises läuft, solltest du dir Gedanken über eine eigene Anlage machen.
Diese kannst du auch nach und nach erweitern - so zahlt es sich noch besser aus.

Ethik - Ökologisch handeln

Du weißt nun, was deine Solaranlage kostet und wann du Geld gegenüber dem Netzbezug einsparst.
Bei all dieser Kosten-Nutzen-Rechnung bleibt jedoch auch etwas sehr Wichtiges auf der Strecke.

Der Klimaschutz!

Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Teil dazu beträgt. Daher ist eine wesentliche Frage, ob ich die Solaranlage nicht auch zum Wohl meiner Kinder und Enkel bauen möchte. Immerhin haben 20% der Hausbesitzer es bereits verstanden. 20% der Häuser in Deutschland haben bereits eine Solaranlage.
Lass dich nicht von den Kosten abschrecken, sondern fange einfach klein an! Ist der Anfang gemacht, wirst du dieses Solar-Fieber bekommen, bei dem du den getankten und verbrauchten Strom überwachst UND anfängst, Energie zu sparen.

Günstige Alternative: Balkonkraftwerk

Balkonkraftwerke sind sehr kleine Solaranlagen, zumeist ohne Speicher. Diese sind aus mehreren Gründen gerade voll im Trend. Zum einen sind diese günstig und der Aufbau kann auch in Mietwohnungen erfolgen. Idealerweise werden diese an das Geländer des Balkons geschraubt. Auch sind Ständer verfügbar für Terrassen oder für den Garten. Hierbei lassen die Module sich mit der Sonne händisch verstellen.

Die Technik ist simpel: Ein Wechselrichter, der an der Rückwand des Solarmoduls verschraubt ist, speist in das 230V Wohnungsnetz (z.B. über einen Wieland Stecker) ein. Die Grundlast der meisten Wohnungen kann gedeckt werden, sodass der Stromzähler nicht oder weniger dreht.

Bis 600 Watt sind diese Anlagen eintragungsfrei. In manchen Fällen muss der Vermieter jedoch gefragt werden und auch ein Elektriker sollte das Stromnetz überprüfen und ggf. auch den Wieland Stecker einbauen.

Das System ist aus vielen Gründen sehr interessant. Vor allem aber sind diese kostengünstig und sehr einfach zu installieren.

Wann und für wen lohnt nun eine Solaranlage?

Wie du aus meiner obigen Rechnung bereits siehst, ist die Amortisationszeit in den meisten Fällen immer über 10 Jahre. Mit viel Eigenleistung oder gebrauchter Technik kann massiv Geld gespart werden.
Nicht für jeden lohnt eine solche Anlage, ist man doch vom Standort sehr abhängig.

Die Rechnung von oben trifft nur bedingt auf mich zu, da ich Akkus und Solarmodule gebraucht günstig erhalten habe, sodass die Amortisationszeit in meinem Fall bei 2-3 Jahren liegt.

Wenn du keine linken Hände hast, beließ dich noch mehr zum Thema Solar und Strom und versuche es doch im kleinen Maß. Anfangen ist wichtig und man wächst dann einfach rein. Auch weitere erneuerbare Energien können unterstützen.

Und noch einen Hinweis zum Stromverbrauch. In den meisten Fällen werden die Leute weniger Strom verbrauchen, wenn sie einen Tageszähler an der eigenen Solaranlage haben und möglichst wenig Strom aus den Akkus nutzen. Der Stromspeicher kann also auch kleiner ausfallen. Geld lässt sich überall sparen, Photovoltaik ist ein guter Punkt, aber nicht der einzige. Konsum kosten Geld - was man erarbeiten muss.

Berichte mir unten in den Kommentaren, was du planst oder bereits hast. Ich würde mich freuen und hoffe, dass du durch diesen Artikel Nutzen ziehen konntest.
Nach bestem Wissen und Gewissen.
Sonnige Grüße, dein Marcus

Deine Meinung ist wichtig! | Kommentar verfassen

Hinterlasse deinen Kommentar. Beachte die Regeln & Nutzungsbedingungen.

Sende mir eine E-Mail, wenn es hier weitere Kommentare gibt.

Datenschutz:Deine Daten werden niemals an Dritte weitergegeben und nur in meinem Website-System gespeichert. Kommentar und Name wird ggf. nach der Freischaltung durch mich hier öffentlich erscheinen.

Neuste Kommentare erscheinen oben. Kommentare sind Meinungen der Nutzer.
Window
Diese Seite nutzt Cookies. Datenschutz X Schließen